WebKommunikation Snapchat-Effekt

magdalena.bieregger.uni-linz, 12. Mai 2017, 17:40

 

 

Snapchat der neue Hype

Unser Webauftritt wird immer wichtiger und Big Data steht hoch im Kurs. Doch korrelieren diese Zwei Entwicklungen nicht in einem Punkt? Eine ganze Teenager-Generation ist aufgewachsen mit der Mahnung der Eltern: Erst nachdenken, dann posten! Das Internet vergisst nichts! Denk an den Personalchef! Die permanente Sorge, dass der persönliche Ruf sich schon mit einem ungünstigen Foto, einem unbedachten Tweet auf alle Zeit ruinieren lässt, treibt ausnahmslos alle Alters- und Berufsgruppen. Parallel wuchs die Sehnsucht nach Alternativen: Kann man sich denn nicht einfach mal irgendwo aufhalten, ohne Spuren zu hinterlassen? Genau dieser Wunsch wurde mit der sich selbst auflösenden Kommunikation (Erklärung im Weiteren) welche Snapchat bietet erfüllt. Seit seiner Gründung im Jahr 2011 hat sich Snapchat zu einer der beliebtesten Apps entwickelt. Und seit mittlerweile zwei Jahren wird der Messanger von der jungen Generation gehypt.

 

 

 

Snapchat ist es gelungen, anderen mächtige Mitstreitern wie Facebook genau diese junge Generation abzuwerben. Schätzungen zufolge ist die Hälfte der 160 Millionen aktiven täglichen Nutzer zwischen 16 und 24 Jahren alt. In den USA war die Applikation laut einer Statista Umfragen im Jahr 2016 bei mehr als einem Drittel der Teenager das beliebteste verwendete Soziale Netzwerk - mit der Tendenz steigend. Und dass während die Konkurrenz stagniert oder sogar an Nutzern verliert. Umfragen zufolge nutzt jeder vierte Snapchat-Nutzer in Deutschland die App täglich. Die Nutzungsraten anderer Apps wie WhatsApp oder Facebook liegen mit knapp 80 Prozent zwar weitaus höher, allerdings stieg die Snapchat-Nutzung seit 2014 um 207 Prozent. [Q2]

 

 

Die Revolution der Kommunikation

Ursprünglich wurde Snapchat aus der Idee eines Messengers heraus konstruiert. Nutzer verbinden sich mithilfe so genannter Snapcodes - die wie QR Codes funktionieren - oder ihrer Accountnamen miteinander um sich in Chats gegenseitig austauschen. Aus dem einst gedachten einfachen Messenger entwickelte sich jedoch eine ganz neue Form der Kommunikation.
Mit den sogenannten „Snaps“ kann der Nutzer seiner Kreativität freien Lauf lassen. Snaps sind Fotos oder kurze Videoschnipsel, die mit zahlreichen Elementen bearbeitet werden können. So können die Snaps mit Text-Elementen, Emoticons oder unterschiedlichen Filtern wie beispielsweise Geo-Filtern (welche Standortinformationen beinhalten) bestückt werden.

 

Erweiterungen und Löschfunktionen

Mit verschiedensten Filtern, beispielsweise für Selfies wechselt die Applikation regelmäßig und bringt so immer wieder neue Erweiterungen welche der Selbstdarstellung im Web noch mehr Möglichkeiten bietet. Doch was Snapchat neu in einen Messanger mitbringt ist die

 

 

Auflösung/Löschung der Kommunikation. Nach genau 24h verschwinden Nachrichten und Beiträge. Diese neue Funktion, zusammen mit der Tatsache, dass sich die Menschen gerade erst daran gewöhnen, dass das Internet eigentlich nie vergisst, stellen das kontroverse Paradoxon dar. Die Snaps sind maximal zwei Mal abrufbar und löschen sich direkt danach. Auch die öffentlich, für alle Follower geposteten Snapchat-Stories sind maximal 24 Stunden verfügbar, archiviert werden sie nicht. Natürlich haben einige kritische Nutzer noch immer begründete Zweifel an der tatsächlichen Löschung dieser hergestellten Medieninhalte aus dem Internet, doch für den „Mainstream“ scheint eine günstige Alternative zur herkömmlichen Internetselbstpräsentation geschaffen zu sein.

 

Veränderung der Kommunikation durch Livestreaming

Diese neue Art der Kommunikation entwickelt sich ebenfalls zu einem Trend des „Voyeurism 2.0“. Was in Youtube als Vlogging (das tägliche Berichten/live blogging via Youtube) begonnen hat, entwickelt sich mit Snapchat Snaps weiter zu einer Form des Mediengebrauchs, welcher eindeutig noch mehr Authentizität und Transparenz bietet als alle bisher dagewesenen Chatfunktionen. Die Entwicklung geht weg von statischen Inhalten hin zu dynamischen. Neben Snapchat ist es somit genau das Livestreaming (in Facebook mit dem Messanger oder über eigene Apps wie Periscope) welches den Kommunikationstrend mitgestaltet. Die neue Generation liebt es einen unverfälscht authentischen Einblick in das Leben anderer Personen zu erlangen. Neben den sich selbst dynamischen Inhalten und der Transienz ist es also auch das ausspähen des Lebens anderer Personen was dem Nutzer gefällt. Diese drastischen Entwicklungen stellen die Frage in den Raum, inwieweit dieser Trend auch in das zukünftige Verhalten unserer Gesellschaft eingreift. [Q1]

 

 

Veränderung hin zur visuellen Kommunikation

Unter visueller Kommunikation wird die Übertragung von Ideen und Sachverhalten mittels Symbolen und Bildern verstanden. Neben der verbalen und nonverbalen stellt die visuelle Kommunikation mit eine der drei wichtigsten Arten unserer Interaktion dar. Visuelle Kommunikation beinhaltet Bilder, Zeichen, Grafikdesign, Video, Typographie und vieles mehr. Ein historisches Beispiel für visuelle Kommunikation sind zum Beispiel die berühmten Höhlenmalereien, die bis 40.000 Jahre vor unser Zeit zurückdatiert werden können.

 

 

Zeitnahe visuelle Kommunikation welche in Messangern verwendet wird und keiner zusätzlichen Worte mehr benötigt sind die Emojis.

 

  

 

Aber nicht nur im Privatbereich erleichtert die Visualisierung unsere Kommunikation. Auch in der internen Unternehmenskommunikation werden Tools wie beispielsweise Slack eingesetzt um die Zusammenarbeit strukturierter und greifbarer zu machen. Zwar wird hier immer noch viel mittels geschriebenem Wort kommuniziert, allerdings werden diese Chats auch zunehmend mit Gifs, Bildern oder (bei Slack) individuell erstellbaren Emojis angereichert.

 

 


Aus den aktuellen evolutionären Trends heraus kann man also gut ableiten, dass auch abseits der Vorlieben zu transienten, dynamischen, authentischen und transparenten Inhalten, unsere Kommunikation sich vor allem auch im visuellen verändert.  Die Kommunikation im Internet wird mit jedem Tag visueller. Websites verändern sich hin zu bildlastigem Content mit wenigen, prägnanten Headlines. Soziale Netzwerke wie Snapchat und Instagram, die das Visuelle in den Vordergrund stellen, sind an textlastigen Netzwerken wie Twitter vorbeigezogen.

 

Vorteile der Kommunikationsvisualisierung

Nun wurde bereits festgehalten, dass Snapchat alle bisherigen social media Riesen mit seinen neuen Nutzerzahlen in den Schatten stellt. Konzentriert auf die intuitive Wahrnehmung, stellt die Visualisierung dabei einen entscheidenden Teil des USPs dar. Beispielsweise wird beim Besuch einer Website diese zunächst visuell erfasst. Und das Sehen erfolgt dabei intuitiv. Das Lesen und Verstehen eines Textes hingegen, setzt eine gezielte Anstrengung und Motivation voraus.
Um diese Anstrengung und Motivation zu erleichtern werden visuelle Tools auch in vielen anderen Bereichen unseres Lebensalltags verwendet. Beispielsweise werden an den Universitäten Tafeln und Flipcharts verwendet um Informationen und Sachverhalte an die Studierenden zu übermitteln. Auch werden Handouts und Power-Point Slides für das Zusammenfassen oder Visualisieren von Präsentationen verwendet. Die real verwendeten Kommunikationsmittel werden somit lediglich in adäquater Form in die Online-Kommunikation übertragen, was die Kernkompetenz der beliebten Sozialen Medien wie Snapchat und Instagram darstellt.


Visuelle Kommunikation ist aus privatem wie beruflichen Umfeld nicht mehr wegzudenken. Jeden Tag entstehen weitere visuelle Tools und Möglichkeiten, mit denen man persönlicher, direkter, strukturierter und schneller kommunizieren kann. Laut Gunther Kress, wird uns die Visualisierung auch in Zukunft in der Kommunikation auf vielfältige Art und Weise prägen. [Q3]

 


Illusion der Vergänglichkeit

Dabei wird dem Nutzer suggeriert, dass das Teilen von Bildern und visuellen Inhalten in Kombination mit den Löschfunktionen, es ermöglicht Persönliches zu teilen und dabei nicht unmittelbar zur Gänze in aller Öffentlichkeit breitzutreten. Mittels der 10-sekündigen Videos von Snapchat wird genau diese Vergänglichkeit repräsentiert, nämlich dass die Aufnahme ein Moment war, der inzwischen vergangen ist. Dem Nutzer sollte bei dieser Illusion jedoch bewusst sein, dass Daten, welche einmal veröffentlicht oder verschickt wurden, von Snapchat oder anderen Diensten gespeichert werden können. Oft sind es auch Freunde oder Bekannte die Screenshots von geteilten Bildern oder Nachrichten erstellen. Denn am Ende gilt noch immer: einmal im Internet, immer im Internet. [Q4] 

 

 

Fazit

Der Semiotik-Professor Gunter Kress prognostiziert, dass das gesprochene Wort unser Hauptkommunikationsmittel bleiben wird, jedoch das geschriebene Wort immer mehr von visuellen Inhalten abgelöst wird. [Q3] Denn das gesprochene wird verbildlicht und vergessen. Das geschriebene erfordert Anstrengung und Motivation. Mit Snapchat spricht man weniger und lässt jedem selbst das Ereignis interpretieren, wie beispielsweise den neuen Song auf Spotify der das Mittagessen in der Mensa untermalt. Die Rezeption des Medions Snapchat ermöglicht jedem Nutzer seine Präferenzen individuell in seinem eigenen Tempo wahrzunehmen. Beachten sollte man dabei, dass viele Inhalte, an die wir uns doch eigentlich so gerne zurückerinnern verloren gehen, da wir sie auf einen Snap reduzieren welcher unweigerlich verschwindet. Entwickelt sich unsere Kommunikation weg von einer direkten Bezugnahme hin zum Halten eines Gleichgewichts zwischen Senden und Empfangen?

 

 

[Q1]http://www.punkt-pr.de/blog/2016/02/22/social-media-trends-veraendern-die-welt/
[Q2]http://www.absatzwirtschaft.de/nach-dem-snapchat-discover-launch-in-deutschland-was-sie-ueber-die-app-mit-dem-geist-wissen-muessen-105273/
[Q3]http://www.medienimpulse.at/articles/view/271
[Q4]http://www.blog.michael-ehlers.de/snapchat-das-neue-facebook-und-das-hippe-youtube/
[Q5]http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/5177255/Das-groesste-MilliardenDing-seit-Facebook_Snapchat

 

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