Metadaten-Gewinnung aus Messengerdiensten

christine.platzer.uni-linz, 7. Mai 2017, 00:01

Welche Informationen können aus Metadaten -unseren privaten Datenresten- gewonnen werden?

Sie sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken: Messenger-Dienste - die laut einer deutschen Studie von 69% der Internetnutzern im Alter von über 14 Jahre regelmäßig verwendet werden. Betrachtet man die Zielgruppen zwischen 14 bis 49 Jahre sind es bereits über 80% (Qu1).

Nutzung von Kurznachrichtendiensten in Deutschland. Quelle: Bitkom.org

Nutzung von Kurznachrichtendiensten in Deutschland. Quelle: Bitkom.org

Viele denken jedoch: "Was ich schreibe, das kann ohnehin jeder mitlesen - das Thema Sicherheit & Datenschutz betrifft mich nicht" - ein Irrtum. Denn: Auch wenn die Kommunikationsanbieter aufgrund der laufenden Sicherheitsdiskussionen ihre Dienste durch entsprechende Verschlüsselung scheinbar immer sicherer machen, so sollten wir dennoch kritisch und achtsam bleiben. Warum?

Kritische Betrachtung der Analyse von Metadaten

Es sind vorrangig nicht unsere geschriebenen Inhalte, die ein Risiko unserer Privatsphäre darstellen. Sondern die gespeicherten Metadaten, unsere ganz privaten Datenreste, die als Begleitinformation rund um unsere Nachrichten gespeichert und nicht verschlüsselt werden. Auch wenn sie keine Informationen zum eigentlichen Inhalt enthalten, so verraten Metadaten noch viel mehr:
WER hat sich mit WEM unterhalten? WIE (über welchen Dienst) und WANN? (Qu2)

Die Antworten auf diese Fragen geben die in der Bevölkerung weithin unbekannten und unterschätzten Metadaten. Sobald wir mit anderen z.B. über unser Smartphone kommunizieren, sind wir mit unserem Personenprofil ein Teil davon.

Welche detaillierten Rückschlüsse aus solchen Personenprofilen gezogen werden können, zeigt das einwöchige Experiment eines Niederländers u.a in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam der Universität Gent. Mittels App wurden eine Woche lang sämtliche Metadaten des Smartphones aufgezeichnet. Die Analyse erfolgte mit einer gängigen Software. (Qu3)

Einblick in das Experiment - Dokumentation und Analyse

Der Autor schreibt über die Analyse: "Jedes Mal, wenn Tons (Anmerkung: der Proband) Telefon eine Verbindung mit einem Funkturm herstellte und jedes Mal, wenn er eine E-Mail schrieb oder eine Website besucht, konnten wir sehen, wann dies geschah und wo er in diesem Moment war, bis auf wenige Meter genau. Wir waren in der Lage, basierend auf seinem Telefon- und E-Mail-Verkehr, sein soziales Netzwerk zu erkennen. Über seine Browser-Daten konnten wir auch die Websites, die er besuchte, und seine Suchanfragen zu sehen. Und wir konnten das Thema, den Absender und Empfänger jeder seiner E-Mails sehen."

Die Ergebnisse beinhalten nicht nur

  • das Privatleben (z.B. Geschlecht, Alter, Wohnort, persönliche Interessen und Vorlieben, Beziehung, politische Ausrichtung), sondern auch
  • den Arbeitsplatz (z.B. Beruf und berufliche Schwerpunkte, Themen von eMail-Diskussionen, nachvollziehbarer Verlauf an Internet-Recherchen und Nachrichten), sowie eine
  • soziale Netzwerkanalyse (strukturierte Analyse von Personengruppen aus den beruflichen und privaten Gruppen die sich aufgrund der verwendeten eMail-Konten ergeben)

Das Forschungsteam ermittelte aus den Metadaten von nur einer Woche ein höchst persönliches Personenprofil. Das Experiment und die Analyse im Detail online nachzulesen (Qu 3) ist empfehlenswert. Ebenso wie eine kritische Beobachtung wenn die Weiterentwicklung der Datenspeicherung diskutiert wird.

 

Quellen:

  1. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Zwei-von-drei-Internetnutzern-verwenden-Messenger.html
  2. https://digitalgefesselt.de/unterschaetzte-metadaten/
  3. https://netzpolitik.org/2014/metadaten-wie-dein-unschuldiges-smartphone-fast-dein-ganzes-leben-an-den-geheimdienst-uebermittelt/
  4. https://netzpolitik.org/2017/hintertuer-bei-whatsapp-sechs-gute-gruende-den-messenger-zu-wechseln/
  5. https://netzpolitik.org/2017/eu-datenschutzbeauftragter-persoenliche-informationen-sind-keine-ware/
  6. EDPS - The European guardian of data protection, Pressestatement: EDPS sees opportunity for stronger consumer and data protection
  7. Europäische Kommission: Vorschlag für eine Richtlinie über bestimmte vertragsrechtliche Aspekte der Bereitstellung digitaler Inhalte.
  8. https://netzpolitik.org/2017/datenschutz-zentrum-wer-in-einer-funkzellenabfrage-landet-muss-endlich-darueber-informiert-werden/
  9. orf.at: Dein Handy weiß alles - Datenschutz am Smartphone
  10. orf.at: AK warnt: Datensammeln im Auto erst am Anfang
  11. mobilsicher.de: Was sind Metadaten?
  12. Top IT Trends in 2017. Trend 1: Renewed focus on ownership and access to data - and metadata.
  13. it-press.com: Die fünf größten Digital Business-Trends 2017

2 comments :: Kommentieren

Link bezüglich Metadaten

Christian.Hergolitsch.uni-linz, 7. März 2017, 13:41

Hier ein link mit einem Artikel, der möglicherweise für Dich interessant ist:

https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/

 

 

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christine.platzer.uni-linz, 7. März 2017, 13:46

Danke, Christian! Deinen Linktipp zu psychometrischen Personenprofilen sehe ich mir gerne im Detail an :-)

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